 21.03.08
Haustiere sind ein riesiges Geschäft: Mit Futter und Zubehör setzt die Branche weltweit mehr als 50 Mrd. Euro um - dominiert wird der Markt von Multis wie Nestlé, Mars und Procter & Gamble. In Deutschland sorgt derweil die Discountkette Fressnapf für Aufsehen.Hätten die Chefs auf Torsten Toeller gehört, sie hätten das Geschäft ihres Lebens gemacht. So machte Toeller es selbst. Ihm Auftrag seines Arbeitgebers, einer Firma für Fachmarktkonzepte, tourte der damals 24-Jährige Ende der 80er durch die USA. Dabei fielen ihm Petsmart und Petco auf, zwei Discounter für Haustierbedarf, die seinerzeit begannen, die Staaten mit ihren Filialen zu überziehen.
Toeller meinte, die Idee lasse sich auf Deutschland übertragen, aber seine Chefs waren anderer Ansicht. So eröffnete der Rheinländer auf eigene Rechnung seinen ersten Fachmarkt für Tierfutter und Zubehör - und nannte ihn Fressnapf. Heute, 18 Jahre später, gibt es in Europa mehr als 900 Fressnapf-Märkte. Das Krefelder Unternehmen wird in diesem Jahr erstmals mehr als 1 Mrd. Euro umsetzen und ist damit die Nummer drei auf der Welt, hinter den einstigen Vorbildern Petsmart und Petco. Weltweit setzt die Branche allein mit Futter und Tierzubehör mehr als 50 Mrd. Euro jährlich um - davon gut 3 Mrd. Euro in Deutschland, wie die Zahlen des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) zeigen, die kommende Woche veröffentlicht werden. Tatsächlich wirft das Geschäft mit dem Haustier sogar noch weit mehr Geld ab. Schließlich will Waldi nicht nur gefüttert, sondern gezüchtet, gepflegt, frisiert, versteuert, versichert, mitunter geröntgt und schlussendlich begraben werden.
Umsatzbringer für Nestlé
In welchen Größenordnungen im Tiermarkt gedacht wird, zeigte sich 2002, als Nestlé für 10,3 Mrd. Dollar den Tiernahrungsproduzenten Ralston Purina ("Felix". "Bonzo") übernahm. Rund zehn Prozent seines Umsatzes macht der größte Lebensmittelkonzern der Welt inzwischen mit Hunde- und Katzenfutter. Neben den Schweizern beherrscht der US-Konzern Mars die Szene. Hierzulande sind die Amerikaner mit Marken wie Pedigree, Whiskas, Frolic oder Trill die Nummer eins. Daneben rangeln auch Procter & Gamble sowie Colgate Palmolive um Marktanteile.
Während die Produktion von Weltkonzernen beherrscht wird, ging es im Handel lange Zeit beschaulich zu - bis Torsten Toeller kam und den etablierten Zoofachmärkten die Kunden abspenstig machte. Bald nach der ersten Fressnapf-Gründung eröffnete er weitere Filialen, vergrößerte das Sortiment und griff die Konkurrenz mit Niedrigpreisen an.
1992 starteten die ersten Fressnapf-Märkte im Franchise-System. Für die Investitionen kamen nun die Franchise-Nehmer auf, wodurch sich die Expansion deutlich beschleunigen ließ. Einmalig 5000 Euro zahlen die Geschäftsgründer an Toeller, zudem jährlich 1,65 Prozent vom Umsatz. Seit 1997 expandiert Toeller über die Grenzen hinaus: In elf westeuropäischen Ländern und Ungarn ist Fressnapf mittlerweile vertreten.(ftd)
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