 09.01.06 - Dirk Nowitzki und Kobe Bryant in Köln oder Berlin? Bisher war die Vorstellung, NBA-Superstars könnten regelmäßig gegen deutsche Teams antreten, illusorisch. Doch die Amerikaner drängen mittlerweile mit ihrem Franchise-System sehr wohl nach Europa.
Die Kölschen Allstars hatten ihren Spaß. Froh gelaunt verkündeten Bürgermeister Fritz Schramma und Arena-Chef Bernd Assenmacher jüngst, dass die National Basketball Association (NBA) - eine der profitabelsten Profi-Sportligen der Welt - am 10. Oktober 2006 in der Kölnarena einen Showkampf abhalten werde. Eine Nachricht mit einer wichtigen, versteckten Botschaft: Die NBA drängt mit aller Macht nach Europa - und sie kommt mit ungeahnter Finanzpower.
NBA-Commissioner David Stern hat bereits seit Jahren die Pläne in der Schublade liegen, wie die millionenschwere NBA-Maschinerie ihren Expansionshunger in Europa stillen kann. Der Aufmarsch in Köln im kommenden Jahr wird deshalb nicht nur ein sportliches Highlight, sondern ist ein weiterer, großer Schritt hin zu Sterns Vision: einem Franchise-System der NBA in Europa. Sprich: Teams von dem alten Kontinent spielen unter dem Label NBA in Europa.
Zwar will sich David Stern nicht auf einen konkreten Zeitplan festlegen, "aber ja, das ist definitiv ein weiterer Schritt in diese Richtung", sagte er. Und sein Engagement in Europa war noch nie größer als jetzt. Der gewiefte Stratege Stern war seinem Traum eines "51st State of America" noch nie so nahe wie in diesem Winter.
Der Europaliga-Chef ist begeistert
Das bereitet den Funktionären in Europa nicht nur Freude. Jan Pommer, Geschäftsführer der Basketball Bundesliga (BBL), findet es zwar spontan "geil", dass die NBA ihr 1988 begonnenes Europa-Engagement 2006 ausweiten wird und sagt, dass er sich die Spiele "unbedingt" anschauen werde. Doch sollte aus den bisherigen Kurzbesuchen der NBA in Europa ein dauerhafter Aufenthalt werden, ist er sich sicher, "dass die uns etwas wegnehmen".
Zunächst einmal stehlen vier NBA-Teams den Deutschen für kurze Zeit die Show: In Kooperation mit der europäischen Topliga Euroleague und dem Konsolenspiel-Hersteller "Electronic Arts" ist ein zweijähriger Test der sogenannten "NBA-Europe-Live" geplant. Ein strategisches Joint Venture, das vier NBA-Teams (Phoenix, San Antonio, Philadelphia und die Los Angeles Clippers) gegen Euroleague-Teams antreten lässt.
Für das Spektakel wählten die Partner Europas modernste Halle: die Kölnarena. Vor 18.500 Zuschauern treffen in einem Mini-Turnier die Finalisten des Euroleague-Finales auf die Phoenix Suns und die Philadelphia 76ers. "Die Euroleague und die NBA zu verbinden, ist ein weiterer Schritt, uns unter den besten Sportorganisationen der Welt zu etablieren", glaubt Euroleague-Chef Jordi Bartomeau. "Die nächsten Schritte liegen nicht nur an uns", so David Stern. Zudem sieht der Commissioner keinen Automatismus, dass von der NBA gesponserte Teams außerhalb der Vereinigten Staaten etabliert würden.
"Wenn die kommen, dann machen die das"
Veranstalter Assenmacher verspricht sich zunächst zwar nicht das ganz große Geschäft, "das man sich durch die NBA erwarten könnte". Doch der karnevalistisch bewegte Herr lässt keinen Zweifel daran, dass die kölsche NBA-Connection kein One-Nightstand bleibt: "Gehen sie einmal davon aus - das geht weiter", sagte er bei der Verkündung des Deals.
In Berlin, wo Phil Anschütz, Anteilseigner der Los Angeles Lakers und ein Intimus von NBA-Chef Stern, eine 16.000-Sitze-Arena baut, musste sich Marco Baldi auch schon mit der Vision einer NBA-Europe auseinandersetzen. Was passiere mit Alba Berlin, wenn die NBA kommt, wurde der Vizepräsident des Vereins gefragt. "Darüber mache ich mir noch keine Gedanken", antwortete er. BBL-Chef Pommer ist da schon weiter. Sollte sich die NBA endgültig für den Weg nach Europa entscheiden, sei sie nicht aufzuhalten. "Da steckt einfach eine ganz andere wirtschaftliche Kraft dahinter."
Bernd Assenmacher fände es bestimmt lustig, wenn die NBA käme. Europäische Basketballfunktionäre haben da wohl eine andere Art von Humor. Vielleicht konnten sie aber trotzdem beim NBA-Termin in Köln über Schramma und Assenmacher schmunzeln: "Was heißt denn noch 'Weltklasseniveau' auf Englisch?", wollte der OB da wissen. "Weltclass" soufflierte Assenmacher.
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