03.03.06 - Autofahrer sollen als Kunden gewonnen werden - Imbißkette weist Verdacht der irreführenden Werbung zurück
Berlin - Die Deutsche Bahn verkauft erstmals über die Hamburger-Kette McDonald's Fahrkarten und will damit vor allem Autofahrer als Kunden gewinnen.
Vom kommenden Montag um 8 Uhr an können Verbraucher in tausend Schnellimbiß-Filialen an der Kasse Fahrschein-Hefte für 99 Euro kaufen. Die Hefte gelten für vier einfache Fahrten zweiter Klasse in Deutschland. Fahrten mit dem ICE und Intercity wie Eurocity sind eingeschlossen. Damit werde vielen Autofahrern die Chance geboten, "die Bahn für wenig Geld einfach einmal auszuprobieren", erklärte der für Personenverkehr zuständige Vorstand Karl-Friedrich Rausch. Die Bahn will laut einer Sprecherin vor allem junge Leute und Familien ansprechen.
Die Tickets der "Viererkette" sind für Fahrten bis einschließlich zum 1. Juni gültig. Ausgenommen sind die Haupt-Reisetage Freitag und Sonntag. Der Nutzer muß auf allen Fahrscheinen seinen Namen eintragen, übertragbar ist das Ticket-Heft nicht. Allerdings können bis zu drei Fahrgäste mitgenommen werden, für die dann die drei weiteren Tickets des Heftes eingelöst werden müssen. Kinder bis zum Alter von einschließlich sechs Jahren fahren umsonst mit.
Die Tickets gelten deutschlandweit für jede beliebig lange Bahnstrecke bis zehn Uhr des Folgetages. Für den ICE-Sprinter und Nachtzüge muß ein Aufpreis bezahlt werden. Insgesamt will die Bahn so eine Million Fahrkarten-Hefte verkaufen. Pro Verbraucher sollen maximal fünf Hefte abgegeben werden. Kunden sind nicht verpflichtet, bei McDonald's auch etwas zu verzehren, wie Sprecher Alexander Schramm auf Anfrage sagte. Auch McDonald's-Burger im Zugrestaurant soll es während der Aktion nicht geben.
Schramm wies Befürchtungen zurück, viele Kunden müßten frustriert nach Hause gehen, weil die Tickets in kürzester Zeit ausverkauft seien. "Die Gäste haben eine Chance, an Tickets heranzukommen", sagte Schramm. "Das gilt aber nur, solange der Vorrat reicht." Im vergangenen Mai hatte eine ähnliche "Schnäppchen-Aktion" mit dem Discounter Lidl Gerichte und Verbraucherschützer wegen irreführender Werbung auf den Plan gerufen: Die Fahrkarten waren in kürzester Zeit ausverkauft, die Aktion war aber laut Lidl-Anzeigen auf zehn Tage angesetzt.
Lidl mußte sich daraufhin verpflichten, seine Kunden künftig besser zu informieren. McDonald's verweist darauf, daß Lidl eine Million Einzeltickets im Angebot hatte; die Fahrkartenhefte der neuen Aktion enthielten aber vier Millionen Fahrten. (AFP)
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