14.12.07
Die Energiefabrik in Knappenrode gilt als Geheimtipp für handfeste Inszenierungen. Und auch die Konzepte der Preisträger des Lex 2007, die gestern hier ausgezeichnet wurden, haben es in sich. Die Sieger des Wettbewerbs, Frank Flecks (41) und Ralf Hermann (42) aus Niesky (Niederschlesischer Oberlausitzkreis), treibt es mit ihrer Sachsenhits Filmproduktion & Medienverlag GbR ganz nach oben. «Wir wollen von Niesky aus in der Oberliga mitspielen» , sagt Hermann und verweist auf die Erfolge, die die GbR bereits bei der Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Ansichtskarten hat, mit der jeder Empfänger fernsehen kann. 34 000 DVD-Postkarten (Video-Postcards) sind innerhalb eines Jahres verkauft worden. «Damit sind wir in der Oberlausitz Marktführer. Unser Ziel ist es, bundesweit die Marktspitze zu bilden» , sagt Flecks.
Basis ist eine im eigenen Hause entwickelte zerstörungsfreie Verpackung. Die Postkarte kostet 90 Cent. Die Foto-Ansicht zeigt die Reiseregion, die auf der beiliegenden DVD präsentiert wird. Für die Imagefilme über den Niederschlesischen Oberlausitzkreis und Görlitz beispielsweise konnten die Nieskyer Christian Schulte gewinnen, der als Synchronsprecher unter anderem Schauspieler Robert Redford seine Stimme leiht. Für die Vermarktung im Ausland wird derzeit mit einem Tonstudio aus Manchester der Film über Boxberg und den Bärwalder See in englischer Übersetzung produziert. Daneben haben die Sachsen das Terrain der Firmenpräsentationen angepackt – ebenfalls mit System. 140 Filmproduktionen für Firmen sind bereits im Kasten. Für den Liebesperlen-Hersteller Hoinkis aus Görlitz etwa schrieben sie eigens ein Drehbuch und setzten es mit Komparsen um. 2008 sollen weitere Mitarbeiter eingestellt werden. Flecks und Hermann überlegen, ein Franchise-System «Lebendige Postkarte» aufzubauen.
Bestätigung für den richtigen Weg
Am Lex haben sie sich gern beteiligt, wie Flecks sagt: «Das bringt uns neue Kontakte und Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»
Ähnlich sehen es auch die Zweitplatzierten: Der Ingenieur, die Ärztin und der Fachhochschul-Dozent, die im Februar 2007 gemeinsam die Porta Bio Screen GmbH in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) gegründet haben. Vorausgegangen waren Forschung und Produktentwicklung für ein mobiles Stress-Messgerät aus der Fachhochschule Lausitz heraus. «Die Forschungsergebnisse sind in trockenen Tüchern, die Zertifizierung des Gerätes nach der EG-Konformitätsrichtlinie für Medizinprodukte wurde erteilt, die Serienfertigung des ersten Loses ist abgeschlossen, die Vermarktung hat begonnen» , fasst Diplom-Ingenieur Kai- Uwe Irrgang (35) zusammen. Er ist der technische Kopf für die Entwicklung und die Software des K3 genannten Gerätes, das derzeit in Schlaf- und Stresslaboren im Einsatz ist. «Das Nachfolgemodell des Mental-Bio-Screen K3 befindet sich in der Entwicklung» , sagt Irrgang. Mit steigender Produktion der Geräte, die stress- und schmerzgeplagte Patienten für Langzeitmessungen unauffällig am Körper tragen können, sollen weitere Arbeitsplätze folgen.
Der Drittplatzierte des Lex 2007 ist der Jüngste: Tobias Schubert (24) aus Neuhausen (Spree-Neiße) hat sich im September 2005 mit einem mobilen Reparaturservice für Metallblasinstrumente aller Art selbstständig gemacht. Mit einer kompletten Werkstatt im Lkw reist er durch die Lande, um etwa Posaunenchören die Instrumente zu richten. Zudem bietet er Seminare zur Instrumentenpflege an. Dank einer festen Kooperation mit dem Bläserensemble «Harmonic Brass Music Store & More GmbH» aus München hat Schubert gut zu tun. Gleichzeitig absolviert der Instrumentenbauer seine Meisterausbildung. 2008 will er die Prüfung ablegen und sich dann zum Betriebswirt weiterbilden. Der Impuls kommt nicht zuletzt aus der Teilnahme am Existenzgründerwettbewerb. «Wir hatten sehr gute Dozenten. Das hilft, wenn man noch grün hinter den Ohren ist und beispielsweise bei Kalkulation und Finanzierung noch nicht an alles denkt» , sagt Schubert.
Die qualitativ sehr guten Konzepten hätten es der Jury sehr schwer gemacht, heben die Laudatoren hervor. Deshalb seien beim Sonderpreis Unternehmensnachfolge auch beide Nominierten prämiert worden. Die Freude ist groß beim 39-jährigen Wirtschaftsingenieur und international erfahrenen Manager Ullrich Weirauch aus Hessen, der im Sommer die Preuss Forstmaschinenbau GmbH Herzberg (Elbe-Elster) aus den Händen des 63-jährigen Rudolf Preuß übernommen hat. «Das hat sich gut getroffen, ich habe eine neue Herausforderung gesucht und die Firma einen Nachfolger» , sagt Weirauch. Zusammengekommen seien sie dank der Nachfolgeplattform Next-Change. Die Weichen sind nun auf Expansion gestellt. Die Zahl der qualifizierten Mitarbeitern im Forstmaschinenbau soll von derzeit 36 auf 54 im Jahr 2010 steigen.
Firmenübernahme gesichert
Mit strahlendem Lächeln nimmt auch Kristin Starick (27) aus Forst (Spree-Neiße) den Sonderpreis entgegen. Die Aus- und Weiterbildung Starick GbR, die sich seit 1990 unter Führung ihres Vaters Wolfgang (54) in Südbrandenburg und Ostsachsen als Fahrschule und Anlaufpunkt für Berufskraftfahrer einen Namen gemacht hat, soll sukzessive an die Tochter übergehen. «Wir haben keine Eile.» Der schrittweise Übergang sei die günstigste Form. «Das habe ich im Rahmen meiner Diplomarbeit ausgerechnet» , erklärt die Betriebswirtin. Ihr Weg hat Starick-System: Nach dem Abitur hat sie studiert, gleichzeitig die Fahrlehrerausbildung absolviert und mit 22 Jahren bereits als Fahrlehrerin gearbeitet. Vor zwei Jahren ist sie vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat als Fahrsicherheits-Trainerin zugelassen worden. Derzeit bildet sich Kristin Starick im Fernstudium für die Erwachsenenqualifizierung weiter. «Schließlich habe ich bei uns den Hut für die Aus- und Weiterbildung der Berufskraftfahrer auf." (Lausitzer Nachrichten)
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