.jpg) 02.01.08 - Eigentlich gibt es nur noch einen Ort im Leben des verwöhnten deutschen Kaffeetrinkers, an dem er auf "Lifestyle" verzichten muss: im Flugzeug. Selbst in der Business-Class wird immer noch "diese braune Brühe unklarer Provenienz" durch den Gang geschoben, wie es ein entnervter Geschäftsmann einmal ausdrückte. Das liegt nicht am Sparzwang der Fluggesellschaften, sondern hat mit den Druckverhältnissen in mehreren tausend Metern Höhe zu tun, bei denen nur bestimmte Kaffeemaschinen eingesetzt werden dürfen.
Am Boden ist das Angebot an Spezialitäten auf Basis der braunen Bohnen umso reichhaltiger. An fast allen zentralen Plätzen in den Städten gibt es inzwischen einen "Coffeeshop" mit "Latte Macchiato" oder "Iced White Caffe Mocha", aromatisiert mit Vanille oder Caramel, mit oder ohne Sahnehäubchen, im Papp- oder Porzellanbecher. Mehr als 1200 Coffeeshops haben inzwischen in Deutschland geöffnet. Vor fünf Jahren waren es 400, und in fünf Jahren können es Tchibo-Vorstand Christian Köhler zufolge schon 2000 bis 2200 sein - eine Verfünffachung innerhalb von zehn Jahren.
Am Markt tummeln sich Unternehmen wie Balzac und Starbucks, Lavazza und Segafredo, World Coffee oder Einstein. Es gibt ein Nebeneinander von Kaffeeröstern und Gastronomiebetrieben, Großkonzernen und Jungunternehmern. Noch ist von einem Verdrängungswettbewerb nichts zu spüren. "Für einen Milchkaffee will man keinen Umweg machen - und schon gar nicht die Straßenseite wechseln", sagt Vanessa Kullmann, Gründerin von Balzac Coffee. Sie beweist dies in Hamburg: Vis-à-Vis ihres ersten Cafés in den Colonnaden hat sie ein zweites eröffnet. Nun muss keiner mehr auf den anderen Bürgersteig. (SZ)
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