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Gründung: Existenzgründung


 Aktuelle Presseinfos
 DIHK Gründereport 2010
 Die Top Ten der größten Fehler bei der Gründung

DIHK Gründereport 2010


 

 

 

  Pioniere gesucht 

 

 

Die Statistik bringt es hervor, mehr Menschen beschäftigen sich mit dem Gedanken an die Selbständigkeit. Darunter sind jedoch viele, die die Chancen am Markt unrealistische einschätzen. GründerMagazin-Expert Emil Hofmann reflektiert, worauf es denn in der rauen Selbständigkeit wirklich ankommt.


 


Der DIHK Gründerreport 2010 bringt es an den Tag: Das Interesse an der Selbständigkeit ist ungebrochen. Allein von 2008 auf 2009 stieg die Zahl der IHK-Gespräche mit Existenzgründern auf 363.500 und damit um mehr als 14 Prozent. Und die Berater in den Kammern rechnen weiter mit einem steigenden Interesse, wenngleich die Zuwächse nicht mehr in dieser Größenordnung erwartet werden. In Zeichen einer sich abzeichnenden Vollbeschäftigung überlegen sich viele, doch eher zu einem Bewerbungstraining der VHS zu gehen als sich mit einem Businessplan herumzuschlagen.



 

Nachlassende Gründungsqualität

 

Nicht überraschend kommt der Report zu der Aussage, dass die Gründungsqualität stark nachgelassen hat und weiter nachlässt. Kein Wunder, geben doch zahlreiche Neuunternehmer an, die Arbeitslosigkeit sei der Grund für den Sprung in die Selbständigkeit gewesen. Zwei Drittel können auf Befragen nicht erklären, wo die Vorteile ihres Produktes oder der angebotenen Dienstleistung liegt. Die Frage nach den staatlichen Förderungen und Zuschüssen prägt das Bild auch im Coaching. Wie viel Prozent bekomme ich und wie lange? Wer unterstützt mich? Welche Töpfe kann ich mit welchen Tricks noch anzapfen? Der eigene Lebensweg als Unternehmer, der Markt oder die möglichen Kunden: Diese Fragen werden verdrängt. Kein Wunder, denn wer den sechzehnten Schreibservice in der Region aufmacht oder das „ganz tolle Kosmetikstudio“, das man dann „Wellness-Insel“ nennt, stößt schnell an die Grenzen jeder Realität und verschwindet im Heer der Gescheiterten.

 

 

 

Umdenken gefragt

 

Wer eine „unabhängige Finanzdienstleistung“ gründet – möglichst mit einem abenteuerlichen Namen – und dann auf den Erfolg als Unternehmer hofft, sollte sich mit eher mit mittel- bis langfristigen Strömungen auseinandersetzen und auch mal die Bücher der Zukunftsforscher lesen. Dann erkennt man schnell, dass gerade im Gesundheits- oder Verkehrswesen, in der Informations-Technologie, in der Materialforschung die Potenziale liegen. Die beiden Diplom-Ingenieure Uwe Höllig und Ralf Selinger haben mit der Gründung der OBEKO GmbH (www.obeko.de) den richtigen Schritt getan. Sie forschen und entwickeln im Bereich der Oberflächentechnik.

 

Mit ihren Lösungen werden heute Handläufe oder Lichtschalter, Tastaturen oder Armaturen beschichtet, um unter anderem die Übertragung von gefährlichen Keimen zu verhindern. Und wenn die beiden Spezialisten von Lösungen für die Sicherheitstechnik sprechen, dann meinen sie ihre Panzerbeschichtung, die hauchdünn auf Schlössern oder Schließblechen ein Bohren oder Sägen unmöglich macht. Die Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut und die Bearbeitung wichtiger Schlüsselkunden sind die Basis für den weiteren Ausbau des jungen Betriebes.

 

Im niederbayerischen Eppenschlag tüfteln Christian Birnbeck und Rainer Köhl mit der BK Engineering GmbH & Co. KG (www.bk-engineering.de) an Prototypen und bauen Nullserien für ihre anspruchsvollen Kunden. Entwicklungen in Nischenmärkten und im hoch anspruchsvollen Segment machen die beiden Gründer zu begehrten Gesprächs- und Sparringspartnern der Ingenieure und Gerätebauer in ganz Deutschland. Massenmärkte wollen und können die beiden sympathischen Gründer gar nicht bedienen. Die Ideenschmiede nimmt das gesamte Dachgeschoss des Einfamilienhauses ein, der klare Blick auf die Nischen und den Kundennutzen sorgen für gut gefüllte Auftragsbücher- der Blick aus dem Fenster auf den Bayerischen Wald vielleicht auch. Und dass inzwischen mehrere Kollegen das Team um die beiden fleißigen Gründer ergänzen, ist ein weiteres Zeichen für die Tragfähigkeit des Konzepts.

 

Paradigmenwechsel ist angesagt

 

Wer es noch nicht gemerkt haben sollte: Die Menschen werden immer älter. Heute Geborene haben eine sehr gute Chance, hundert Jahre und noch länger auf dieser Welt zu sein. Die Menschen werden im Alter immer fitter, sie bleiben beweglich, mobil und investieren Milliarden. Wo sind aber die innovativen Gründungen, die sich mit diesen Märkten beschäftigen? Wo sind die Visionäre, die zum Beispiel Urlaubs- und Freizeitkonzepte entwickeln und zu den Ersten gehören, die der Riesenmarkt dann auch wahrnimmt? Wo sind die Pioniere von heute, die Kathreins, Hipps und andere?

 

Der Verkehr auf unseren Straßen kollabiert zunehmend. Intelligente Leitsysteme fehlen noch weitgehend, die Politik hat keine Lösungen parat, und der Zeitpunkt ist nicht mehr fern, dann ist der fließende Verkehr auf den Autobahnen die Ausnahme und nicht mehr die Regel. Wer gründet endlich ein Unternehmen, bei dem ich mir Mobilität mieten kann? Autovermieter können das nicht leisten, sie sind meilenweit von diesen Ideen entfernt. So versuchen die Autobauer und die Autohäuser nach wie vor, einen Haufen Blech an den Mann zu bringen für viele Euros. Welches aber ist das ideale Auto? Man will Montag bis Freitag mit dem E-Car in’s Büro fahren – ohne Emissionen und Parkplatzsuche. Am Wochenende lockt das Cabrio und zwischendurch ein Pickup oder ein Kleinbus – je nach Bedarf, Lust und Laune. Aber wir haben ja für 50.000 Euro ein Auto in der Garage, und das müssen wir mindestens drei Jahre fahren, weil der Leasingvertrag so lange läuft. Mobilität on demand – auf Abruf sozusagen. Und am Monatsende wird die Nutzungsgebühr vom Konto abgebucht. Gründungs-Idee de Luxe? Nein.

 

 

Die Kammern jammern zu Recht: Nur sechs Prozent (!) der Gründungsinteressierten nennt die Hightech-Branche als Inhalt, die meisten haben nur eine vage Vorstellung oder glauben, ihr Hobby „endlich zum Beruf machen“ zu können. Erschreckend ist, dass die Lethargie zu- statt abnimmt. 2006 meldeten die Industrie- und Handelskammern noch rund 20 Prozent mehr innovative Gründungsideen, in den letzten Jahren ging es stetig bergab auf magere 3.272 im Jahr 2009. So sehr sich auch der Wirtschaftsminister über die vergleichsweise hohe Zahl an Gründungen freuen mag, so bedenklich ist die nachlassende Qualität im einzelnen. 61 Prozent der arbeitslosen Gründungsinteressierten haben zum Teil erhebliche kaufmännische Defizite, 46 Prozent haben sich keine Gedanken über die Finanzierung gemacht und 40 Prozent können ihre Idee nicht einmal beschreiben. Aber sie wissen wenigstens, wo es die Fördergelder gibt...

 

Der DIHK-Gründerreport 2010 (www.dihk.de) stellt zu Recht Forderungen auf und verweist auf die Notwendigkeit, mehr „Gründungsdynamik“ an den Tag zu legen. So müsse die Selbständigkeit noch viel stärker im Bildungssystem verankert, die High-Tech Gründungen sollten finanziell besser ausgestattet werden. Und nicht zuletzt lautet eine der berechtigten Forderungen: Arbeitslose Gründer müssen zielgerichtete Unterstützung erfahren, man solle sich auf aussichtsreiche Vorhaben konzentrieren. Gelingt das, ist Deutschland auf einem guten Weg zu mehr Unternehmern, mehr Arbeitgebern, einer anderen und besseren Kultur der Selbständigkeit.

 

 

 

 

 

 

 

 
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